Mohnfantasie

blauer_mohn.jpgAlles schlummerte. Die Luft, warm und duftgeschwängert, war regungslos;
ab und zu durchflog sie ein Zittern, wie das Zittern des Wassers, das vom Fall eines Zweiges berührt wird.
Man fühlte ein Sehnen, eine Art Durst in dieser warmen Luft.
Ich beugte mich über den Zaun: vor mir streckte ein wilder roter Mohn aus dichtem Gras seinen schlanken Stengel hervor:
ein großer runder Tropfen nächtlichen Taus glänzte
in dunklem Schimmer auf dem Grund der geöffneten Krone.
Alles umher war wie in sich selbst versunken; alles schien hingestreckt,
unbeweglich und erwartungsvoll den Blick nach oben gerichtet zu haben.

Worauf harrte diese blaue, träumende Nacht?…
Iwan Turgenjew

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4 Kommentare

  1. Wahrscheinlich wartete die blaue Nacht auf NICHTS. Sie wollte einfach sein, ein blaues Seidentuch, dass sich über schlaftrunkene Leiber legt, ganz sacht, und dort verbleibt, bis der Morgen die nächtlichen Geräusche überstrahlt und der Sehnsucht die beinahe schmerzliche Tiefe nimmt.Die Nacht ist sich selbst genug, worauf sollte sie warten? Sie verharrt beständig und schenkt den Träumenden damit einen Raum.

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